Die Semiose bezeichnet den Prozess, in dem eine Sache (ein Bild, ein Gegenstand, ein Laut, eine Handlung) als Zeichen fungiert. Hierbei entwickelt sich auch die Bedeutung dieses Zeichens heraus.
Der Begriff stammt von dem Mathematiker und Philosophen Charles Sanders Peirce (1839-1914). Ihm zufolge besteht die Semiose aus drei Bestandteilen: dem Objekt, dem Repräsentamen und dem Interpretanten.
Das Objekt ist bspw. ein materieller Gegenstand (ein Auto), das Repräsentamen ist ein Zeichen dieses Gegnstandes (z. B. die Zeichnung eines Kindes oder das Piktogramm auf einem Verkehrsschild). Der Interpretant, der dritte Bestandteil (der nach Peirce für die "Zeichen-Entstehung" absolut notwendig ist), ist in diesem Falle unser gespeichertes Wissen um das ungefähre Aussehen eines Autos. Erst damit vollzieht sich die Semiose. Mit Hilfe des Interpretanten verstehen wir das Zeichen, das Repräsentamen, und können es auf ein Objekt beziehen. So könnte ein Mensch, der noch nie ein Auto gesehen hat, nichts mit dem Piktogramm oder der Zeichnung anfangen – die Semiose würde nicht vollendet werden und wäre dementsprechend auch garnicht wirklich vorhanden.
Interessant wird es nun, wenn es für eine Sache verschiedene Interpretanten gibt. So kann ein Patient mit roten Flecken im Gesicht zu einem Arzt gehen. Die roten Flecken stellen in diesem Fall das Repräsentamen dar – das Objekt ist die Krankheit Masern, der Bezug zwischen beidem wird durch die Diagnose des Arztes hergestellt. Der Interpretant ist das im Medizinstudium erworbene Wissen des Arztes, welches sich in der Diagnose artikuliert. Würde der Patient hingegen zu einem Voodoo-Schmananen gehen, so könnte dieser durch sein eigenes erworbenes Wissen auf ein ganz anderes Objekt kommen, zum Beispiel auf einen bösen Geist, der im Patienten sitzt und für die roten Flecken verantwortlich ist (dieses Beispiel ist unter Umständen etwas klischeehaft und dient nur der Anschaulichkeit).