Glossar

Heldenreise

Der Begriff der Heldenreise (auch Monomythos) ist vor allem durch den Literaturwissenschaftler Joseph Campbell (1904-1987) bekannt. Dieser erkannte in den Mythen, Sagen, Märchen und Religionserzählungen der Menschheit eine gemeinsame Grundstruktur.

Demnach lassen sich sämtliche dieser Erzählungen grob in ähnliche Erzähleinheiten bzw. Stationen unterteilen. Die Reise des Helden beginnt mit dem Ruf des Abenteuers (Call to Adventure), führt durch verschiedene Herausforderungen abseits seiner Alltagswelt und endet mit der Rückkehr des Helden in eben diese – allerdings mit neuen Erkenntnissen, dem Elixir. Campbell hatte insgesamt 17 Stationen ausgemacht.

Nachfolgende Autoren haben diese reduziert bzw. konzeptionell verschmolzen. In ihrer reduzierten Betrachtungsweise lässt sich die Heldenreise auch auf verschiedene andere Medien übertragen. So kann auch ein 30-sekündiger Werbespot eine kleine Heldenreise darstellen.

Im Film

Die Heldenreise, die vom Drehbuchautoren Christopher Vogler strukturiert wurde, umfasst zwölf Stationen. Auch bei ihm beginnt sie mit einem Call to Adventure, der den Helden in eine konkreter umrissene Special World führt. Im Kampf gegen einen Kontrahenten (dem Shadow) gibt es einen Tiefpunkt, an dem alles verloren scheint, das Ordeal. In Filmen wird dieses zwölfschrittige Schema natürlich immer abgewandelt, Stationen können wegfallen oder tauchen zweifach auf, der Held kann gleichzeitig Shadow sein etc. – dennoch ist es im groben immer präsent (wobei diese Abwandlungen, dieses Spiel mit der klassischen Heldenreise das moderne Kino gerade interessant machen).

Die Special World, also die mehr oder weniger herausfordernde, neue Umgebung, kann dabei völlig unterschiedlich aussehen: es kann sich tatsächlich um eine exotische Fantasywelt handeln oder das Eintreffen eines übermächtigen Gegners, sie kann aber auch einfach ein neuer Job, eine neue Tätigkeit des Protagonisten sein; die sich entwickelnde Beziehung zu einem vorher fremden Menschen, der Umzug in eine andere Stadt, der Kampf gegen eine Krankheit, die Debatte um ein moralisches Dilemma, ein Umbruch in der Gesellschaft. Das Faszinierende hierbei ist die Betrachtungsweise, die das Kino letztlich hergibt: und zwar, dass jeder Zeitraum im Leben eines Menschen eine kleine Heldenreise sein kann.